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Ein heißes Eisen: Opposition diskutiert über Zukunft des Olympia-Eissportzentrums
Stand: 19.03.2025, 16:00 Uhr
Von:
Christian Fellner
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![[Bild: 37468148-14-03-25-alpin-convention-garmi...b8p7fe.jpg]](https://www.merkur.de/assets/images/37/468/37468148-14-03-25-alpin-convention-garmisch-partenkircheninfoveranstaltung-der-fraktionen-im-gr-spd-ulrike-bittner-wolf-buendnis90-die-gruenen-dr-stephan-thiel-2c8J16b8p7fe.jpg)
Diskutieren intensiv über die Zukunft des Eissportzentrums: (v.l.) Dr. Stephan Thiel, Benedikt Heimstädt, Peter Papistock, Andreas Wieland, Gerhard Griebler, Franz Reindl, Daniel Schimmer und Ulrike Bittner-Wolf. © Thomas Sehr
Vertreter aus der Garmisch-Partenkirchener Ortspolitik haben zu einer besonderen Diskussionsrunde geladen. Die zentrale Fragestellung: Wie geht es mit dem Eissportzentrum weiter?
Es ist ein heißes Eisen, das drei der Oppositionsparteien in der Garmisch-Partenkirchner Ortspolitik angepackt haben: die Zukunft des Olympia-Eissportzentrums (OEZ). Die Fraktionen der SPD, Freien Wähler und Grünen hatten Bürger, aber auch Vertreter der Vereine zu einem ersten Gedankenaustausch eingeladen, „um den Diskussionsprozess anzustoßen“, erläuterte Daniel Schimmer (FW) auch im Sinne von Ulrike Bittner-Wolff (SPD) und Dr. Stephan Thiel (Grüne). Das Thema fand Anklang: Die Bestuhlung in den neuen Räumen von Alpin Convention im ehemaligen Café Kneitinger reichte nicht aus.
Nachwuchs des SC Riessersee steht das Wasser bis zum Hals: „Die Uhr tickt“
Deutlich wurde: Gerade den Dauernutzern wie dem Eishockey- oder Eiskunstlauf-Nachwuchs des SC Riessersee steht das Wasser bis zum Hals. Auch der Profi-Spielbetrieb des SCR wünscht sich klare Verbesserungen. „Die Uhr tickt“, fasste es Benedikt Heimstädt, der Vorsitzende des SCR-Nachwuchses, zusammen. Die Kernbotschaft: „Wir haben eine Super-Ausgangslage von der Infrastruktur her, aber sie muss bezahlbar besser nutzbar sein.“
Politisch sollte der Abend nicht werden. Daher verzichteten die Fraktionsvertreter als Gastgeber auf deutliche Statements – vorerst zumindest. Zunächst wollten sie Eindrücke sammeln, um später in den Gremien aktiver werden zu können. Bittner-Wolff und Thiel sitzen bekanntlich sogar im Verwaltungsrat der Gemeindewerke, der den Vorstand laut Geschäftsordnung „überwacht“. Schimmer merkte in seinen einführenden Worten dann aber schon an, dass man beim OEZ an einem Punkt stehe, an dem „die Herausforderungen groß sind“. Er nannte nur drei Schlagwörter: Sanierungsbedarf, wirtschaftliche Tragfähigkeit, energetische Anforderungen.
![[Bild: 37468166-14-03-25-alpin-convention-garmi...l-PTBG.jpg]](https://www.merkur.de/assets/images/37/468/37468166-14-03-25-alpin-convention-garmisch-partenkircheninfoveranstaltung-der-fraktionen-im-gr-spd-ulrike-bittner-wolf-buendnis90-die-gruenen-dr-stephan-thiel-PTBG.jpg)
Der Zuspruch zur Diskussionsrunde war gut: Die Bestuhlung im früheren Café Kneitinger reichte nicht. © Fotopress Thomas Sehr
Diskussionsrunde: Teilnehmer plädieren für ein besseres Miteinander
Es war nicht das große Eindreschen auf die Gemeindewerke als Eigentümer des OEZ. Eher ein Plädoyer für die Suche nach Lösungen, nach mehr Miteinander. Die erste Kommunikation scheiterte aber bereits – ein Vertreter der Werke fehlte an diesem Abend. Offiziell aus terminlichen Gründen. Stattdessen verlas Bittner-Wolff eine Stellungnahme von Vorstand Wodan Lichtmeß, der vor allem erläuterte, warum Ansätze, den Betrieb der Anlage an Externe zu vergeben, bisher stets scheiterten.
„Falsche Vorstellungen“ seien in erster Linie verantwortlich. Eine Überlassung könne nur durch einen völligen Rückzug der Gemeindewerke erfolgen. Im Umkehrschluss habe der Interessent alle Kosten zu tragen. Die belaufen sich für Betrieb und Unterhalt laut Lichtmeß auf rund 1,8 Millionen Euro, die Erträge siedelt er bei 900 000 Euro an. Durch Abschreibung und Zinsen erhöhe sich das Defizit am Ende auf 1,3 Millionen Euro. Zahlen aus 2023. Das Minus ergebe sich aus bei weitem nicht zu kostendeckenden Tarifen für die Eisvermietung.
Betreiber der Eishalle in Hannover zweifelt Zahlen der Gemeindewerke an
Zahlen, denen Gerhard Griebler, seit 2013 privater Betreiber der Eishalle in Hannover widerspricht. „Ich glaube sie nicht“, betonte er mutig und verwies auf das eigene Konzept (
siehe Kasten). Länger schon steht er mit dem SCR im Austausch. „Aber Herrn Lichtmeß durfte ich bisher nie kennenlernen.“ Gerne würde er sich mit dem Werke-Chef zusammensetzen und sich „einfach mal ungeschminkt alles anschauen. Aber das muss man wollen“.
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Nicht neu sind viele der Anliegen der Nutzer. Die wünschen sich mehr und früher Eis. Ein sinnvoller Ansatz, sagte Franz Reindl, Mitglied im Vorstand des Eishockey-Weltverbands IIHF. „Die Zeit der Nachfrage ist Juli und August, wenn du da Eis bieten kannst, steigen die Chancen, wirklich Einnahmen zu generieren.“ Von der Top-Mannschaft bis runter in den Freizeitsportbereich – „da wird Eis gesucht, das man den Gästen durchaus auch zu einem anderen Tarif anbieten könnte als den Einheimischen.“ Eishockey sei ein Boomsport, der auch dem Klimawandel die Stirn bieten könne. „Wir haben zwei Hallen, die wetterunabhängig sind.“
Das Konzept Hannover in Kürze
Kann ein privater Unternehmer eine Eishalle betreiben? Gerhard Griebler hat dazu eine klares „Ja“ parat. 2013 kam er mit der Stadt Hannover ins Gespräch und übernahm mit seiner AG das Stadion am Pferdeturm. „Die Indians waren insolvent, die Stadt sagte, sie wird kein Geld mehr in die Halle stecken.“ Griebler setzte sich mit den Verantwortlichen an einen Tisch, die Fakten wurden erörtert. Heraus kam ein Investitionsbedarf von fünf bis sieben Millionen Euro. Den Stau packte Griebler an, erneuerte Schritt für Schritt. Heute ist das Stadion von 6.30 bis 24 Uhr in Betrieb, Vereine und Profis zahlen 70 Euro Miete für die Stunde (garantiert bis 2029), einen Euro pro Zuschauer im Spielbetrieb spendet der Betreiber sogar an den Verein. Durch neue Technik wurde der Energieverbrauch um 40 Prozent gesenkt. „Und das, obwohl wir ein nach drei Seiten offenes Stadion und im Sommer teilweise 26 Grad haben.“ Unterm Strich wichtig für ihn als Kaufmann: „Es muss am Ende Geld abwerfen, das klappt mal, mal nicht.“ Vor Steuern erwirtschafte er pro Jahr 100 000 bis 160 000 Euro, dabei investiert er etwas mehr als das pro Jahr. Und welche Belastung bleibt für die Stadt Hannover? Sie leistet einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 100 000 Euro jährlich – festgeschrieben bis 2054. Ein Konzept, das Griebler sich für Garmisch-Partenkirchen vorstellen könnte. Denn: „Für private Betreiber gibt es einige Möglichkeiten, an Fördergelder zu kommen, für Kommunen nicht.“
https://www.merkur.de/lokales/garmisch-p...34905.html
den Link mal "sichtbar" gemacht.